10/30/17
Tilmann Höhn & Yvonne Mwale & Mohammed Twaba

Mit Yvonne & Twaba In der Alten Kirche

Quelle: Wiesbadener Tagblatt

Tilmann Höhn & Yvonne Mwale & Mohammed TwabaVon Hendrik Jung

KONZERT Yvonne Mwale und ihre Band begeistern Publikum im Zentrum Alte Kirche

NIEDERNHAUSEN – Am Ende ist aus dem Konzert eine ausgelassene Party geworden. Zunächst braucht es zwar etwas Überzeugungskraft von Yvonne Mwale, damit sich bei ihrem Auftritt im Zentrum Alte Kirche etwa ein Drittel der rund sechzig Gäste von seinen Stühlen erhebt. Dann aber lassen sie sich endgültig von der vibrierenden Musik des Trios mitreißen und tanzen vor der Bühne sowie zwischen den Tischen. Die Sängerin selbst nutzt schon zuvor die virtuosen Solo-Passagen von Gitarrist Tilmann Höhn und Perkussionist Twaba zu kurzen Tanzeinlagen.

Mal raubtierartig wild, mal schlangenhaft geschmeidig bedient sie sich dabei zum Teil Elementen traditioneller Tänze aus ihrer Heimat im Osten Sambias. Einige ihrer Lieder beschreiben die bergige Landschaft und die Tiere, die dort leben. Dass die Texte von Yvonne Mwale überwiegend in ihrer Heimatsprache Senga gesungen werden, macht dabei nichts aus, denn die 27-Jährige vermittelt ihre Botschaften mit ihrer kraftvollen Soulstimme auch auf emotionaler Ebene deutlich und klar.

Perlendes Saitenspiel und funkige Elemente

Dabei wird sie kongenial unterstützt durch den tansanischen Perkussionisten Twaba. Unablässig mischt er den warmen, weichen Klang der Congas mit den schärferen Tönen der Djembé. Bei seinem mitreißenden Spiel bricht sich spürbar überschwängliche Lebensfreude ihre Bahn. Wenn die Musik mal etwas sanfter wird, schlägt er auch die Cowbell mit den Händen an, was der Glocke einen eigentümlich warmen Klang entlockt oder streicht über die hängenden Stäbe des Chimes-Glockenspiels.

Dies dient außerdem dazu, um mit Tilmann Höhn über Wendepunkte in der Musik des Trios zu kommunizieren. Denn fließende Übergänge mit ansatzlosen Tempo- und Rhythmuswechseln sowie einer ausdrucksstarken Dynamik prägen immer wieder das Zusammenspiel. Der Ausnahme-Gitarrist wechselt dabei in der Hauptsache zwischen einer verstärkten Akustikgitarre für das perlende Saitenspiel und einer elektrischen Gitarre für funkige und rockige Elemente, bei denen sein Spiel in einer Solo-Passage stark an Jimi Hendrix erinnert. Seine unbändige Spielfreude drückt sich mal im Einsatz einer kleinen Spieluhr aus, deren Klang er über den Tonabnehmer seiner Gitarre verstärkt. Vor allem durch den Umgang mit einem sogenannten Looper. Mit dem Effektgerät, das die Aufnahme von Gitarrenriffs und das anschließende Abspielen in Endlosschleife ermöglicht, erhöht er die Klangfülle in der ohnehin starken Akustik der Alten Kirche. Schließlich ermöglicht es ihm diese Technik, mit mehreren Gitarren gleichzeitig zu spielen. Setzt er dabei seine 18-saitige Aliquod-Gitarre ein, entsteht ein besonders silbriger Klang. Sphärische Klänge, die er mit einem Bottleneck genannten Metallröhrchen auf der E-Gitarre erzeugt, erwecken bei einem anderen Stück den Eindruck von Vogelrufen im Hintergrund. Die lang anhaltenden Wiederholungen der musikalischen Strukturen sorgen immer wieder für eine geradezu hypnotische Wirkung, die die Zuhörenden weit fortträgt und perfekt dafür geeignet ist, zu tanzen.

08/9/15

Yvonne Mwales Reise nach Berlin

Yvonne Mwale & Tilmann Höhn

Daima Photography

In den letzten Monaten haben sich Yvonnes und meine musikalischen Wege immer wieder gekreuzt, zum Beispiel bei der Sängerin Cheryl Green. Die afrikanische Sängerin Yvonne Mwale aus Sambia ist gerade mit ihrer neuen CD Ninkale (Let Me Be) unterwegs. Darauf mischen sich Rhythmen und Gesänge ihrer Heimat mit Stilelementen des Jazz und Blues.

Für zwei Auftritte habe ich sie jetzt nach Berlin begleitet. Mit dabei war auch Funky-Mister-Twaba aus Tansania an den Percussions. Afrikanisch war nicht nur die Musik, sondern auch die Temperaturen. Ein anstrengender Trip, aber auf der Bühne hatten wir Fun-Time.

Berlin ist immer eine Reise wert, heißt es. Unser erster Gig im Culture Container war schon etwas Spezielles. Der Container war wirklich eine Blechkiste und entsprechend aufgeheizt. Das Essensangebot beschränkte sich auf Pizza und augedünntes Grillgut, nichts für Vegetarier. Freundlichkeit Fehlanzeige. Na gut, an so einem heißen Tag hätte ich auch nicht gerne am Grill gestanden. Immerhin zwei Freigetränke für Musiker, Berlin eben.

Am nächsten Abend fanden wir uns für den zweiten Auftritt im Jugendwiderstandsmuseum ein. Eine alte Kirche, in der es wenigstens kühl war. Dafür gab es überhaupt KEIN Essen, nur EIN Freigetränk (Cola oder Bier) und überhaupt kein Wasser für die Musiker. Noch mehr Berlin eben. Der Sound in der Kirche war allerdings toll, der Gig hat noch mehr Spaß gemacht und wir waren richtig gut gelaunt auf der Bühne. Das Debut mit Yvonne hat trotz der Strapazen (lange Anreise, Hitze, Hunger) richtig Spaß gemacht, nicht zuletzt weil sich Matthias Krämer liebevoll um die gesamte Organisation gekümmert hat.

Yvonne MwaleWer jetzt neugierig ist auf die Musik von Yvonne Mwale, der kann hier in ihre CD reinhören. Natürlich ist sie live noch besser, deshalb solltet ihr zu einem der nächsten Gigs kommen. Ich freue mich auf die kommenden Auftritte in Bielefeld, Fulda und Runkel. Klingt zwar nicht nach Berlin, New York und Tokio, ist aber garantiert sehens- und hörenswert.